Abenteuer mit den grünen Männchen
Nein, es war keine Begegnung mit Außerirdischen. Ich lebe in der Dominikanischen Republik und hier hat die AMET (Verkehrspolizei) forstgrüne Uniformen. Zu Beginn möchte ich einmal die Anfänge dieser Einrichtung aufzeichnen. Es gab einen mächtigen Polizeigeneral. Sein Name: Candelier. Zucht und Ordnung waren seine Markenzeichen. Doch wie üblich im Lande, die Regierung wechselte und damit auch viele Führungskräfte. Hipolito Mejia konnte allerdings diesen mächtigen Mann nicht einfach beiseite räumen, also schuf man einen neuen Bereich, die Autoridad Metropolitana de Transporte. Bisher gab es nur die Policia Nacional und Touristen aus frühen Jahren die mal mit dem Leihwagen unterwegs waren kannten das Spiel: „Busca Vida!“ (suche Leben) nennt man es hier. Die schlecht bezahlten Polizisten übten ihre Macht (der Uniform) aus und erfanden Vorwände um eine Strafe zu kassieren. Der kleine Nebenverdienst sichert dann das Leben. Mit Candelier und einer neuen Verkehrspolizei sollte dies ein Ende haben.
Damit sich der General nicht auf das Abstellgleis gestellt fühlte bekam er eine Menge Mittel zur Verfügung. Er verlangte eine gute Ausbildung der Agenten und eine bessere Bezahlung damit die Polizeiagenten nicht bestechlich sind. Eine gute Ausstattung für die Verkehrspolizei gab es auch. Nagelneue Motorräder und zahlreiche Geländewagen, natürlich Neuwagen (Santana - spanischer Nachbau der Defender. Heute existieren diese Autos kaum noch - kaputt gefahren). Die Polizisten machten einen „gedrillten“ Eindruck. Kam man in eine Kontrolle, gab es ein Ticket. Bestechungsversuche – Fehlanzeige.
Überhaupt gab es immer wieder mal gute Ansätze. So wurde die Amet in Sosua an speziell problematischen Kreuzungen zur Verkehrsregelung eingesetzt. Und ja, man sah sie auch als Freund und Helfer. Sie halfen ängstlichen Touristen wir älteren Menschen über die vielbefahrene Straße. Die AMET war durchaus eine löbliche Einrichtung. Doch was geschah? Was wurde aus der Vorzeigetruppe von General Candelier? Heute ist es ein Haufen uniformierter Scharlatane. Die ganze Einrichtung durchzogen von Korruption, nichts weiter als eine weitere Einrichtung der Regierung die die Bevölkerung belästigt.
Es ist allerdings auch ein schwieriger Kampf der AMET gegen das Costumbre (Gewohnheit) der Bevölkerung. Man fuhr doch schon immer ohne Führerschein, ohne Helm und Versicherung. Warum soll sich das nun ändern? Nein, keiner hält sich an die Gesetze und die AMET mit ihren Einsätzen steht auf verlorenem Posten. Helme tragen die Motorradfahrer, vornehmlich am Handgelenk. Wird an einer Kreuzung eine Kontrolle gemeldet, setzt man hier den Helm auf, wenige Meter später wieder ab. Oder man fährt mit Helm wo die AMET stets präsent ist. Dies gilt aber nur für Großstädte wie Santiago und Santo Domingo. In kleineren Städten sieht man immer wieder den Rückfall, fahren ohne Helm! Allerdings, die AMET geht auch mit schlechtem Beispiel voran! Alkohol im Dienst und bei der Fahrt, mehrere Personen auf dem Moped...(s. Fotos!). ![]()
Die Führung wechselte häufig, nie wendete sich etwas zum Besseren, ganz im Gegenteil. Sogenannte Operativos verpuffen so schnell wie ein Feuerwerkskörper. Vielleicht liegt es an meinem Karma – ich ziehe diese Wegelagerer der Nation magisch an. Oder ist es einfach nur mein weißes Gesicht? Gringo hat Kohle, Gringo zahlt?! Nun ich habe eine ganze Reihe von Erfahrungen mit diesen grünen Männchen gemacht, darum wird dies ein 2-Teiler. Der fehlende Respekt – man möge mir verzeihen – den habe ich angesichts dieser Erlebnisse verloren.
In der Dominikanischen Republik gibt es einen TÜV. Die jährliche KFZ-Steuer nicht zu vergessen. Um die Zahlungen für TÜV/Steuer zu kontrollieren klebt man ein Schildchen an die Frontscheibe. So sieht der kontrollierende Polizist sofort ob man seinen TÜV (Revista) oder die Steuer (Marbete) bezahlt hat. Ich erinnere mich nicht mehr an das Jahr, aber es war ein typisch dominikanisches Phänomen. Es gab keine Marbetes! No hay! Also fuhr ich mit der alten und wurde prompt angehalten. Die AMET-Agentin stieg zu mir ins Auto und dirigierte mich zur Station in Sosua. Dort durfte ich mein Auto abstellen – beschlagnahmt. Ich versuchte zu erklären dass es ja keine Steuermarken in Puerto Plata gibt...vergebens. Dann hätte ich gefälligst nach Puerto Plata zu fahren, mir das von der Steuerstelle bestätigen zu lassen und dann, ja dann bekomme ich das Auto wieder.
Das hätte bedeutet: Mit Motoconcho und Guagua nach Puerto Plata und zurück. Als Autofahrer ist man solche Torturen nicht gewohnt. Abgesehen von den Extrakosten. In diesem Falle half mir ein guter Kontakt zu einem „Oficial“ im Palacio. Den rief ich an und dann rief der gute Offizier zurück. Und schon bekam ich mein Auto – mit der Auflage mir umgehend die Bescheinigung zu holen. Also nach Puerto Plata, Bescheinigung geholt und wieder zur AMET: Der Tag war versaut, Rennerei und Ärger für einen Bürger der im Grunde unschuldig ist, oder doch, denn Dominikaner sind ja nie etwas Schuld.
Man mag es kaum glauben, das Land ist manchmal überraschend gut in puncto technischer Ausrüstung. So kann man auf der Webseite der AMET auch selbst kontrollieren, ob es Einträge gibt, denn wenn man seinen Führerschein verlängern lassen möchte, dann geht dies nur wenn vorher die Strafen bezahlt wurden. Im Grunde war es Neugierde die mich zur Eingabe meiner Führerscheinnummer trieb. Und dann geschah das Unerwartete: In rot: Ich möge mich doch bitte bei der AMET melden! Hmmmm, besser man macht dies über Umwege. Also spannte ich meine Schwägerin ein. Gerade Anwältin geworden, mit cum laude und eine sehr seriöse Person. Ich gab ihr meine Daten und bat sie mal bei der AMET nachzufragen.
Keine Stunde später der Rückruf. Hätte ich nicht gesessen, mich hätte es ins Sofa gehauen. Sage und schreibe 7 Vergehen wurden mir vorgeworfen. Vorausdenkend wie meine Schwägerin war hatte sie gleich einen Termin abgesprochen bei der AMET in Santo Domingo. Ich fuhr mit Bus und Taxi zum Hauptsitz der AMET. Der Grund ist simpel: Mein Auto diente Mechanikern als Geldquelle, innerhalb eines Jahres verbrachte es 10 Monate auf Höfen und wartete auf Ersatzteile. Dies am Rande erwähnt, denn es bedeutete auch: in dieser Zeit war ich nur mit einem Moped in der Gegend von Sosua unterwegs – oder mit Taxi und Bus. In dem Bürogebäude angekommen fragte ich mich durch zu der Person mit der ich einen Termin hatte. Und richtig, diese Person war an dem Tag nicht da! Darum macht man ja auch Termine.
Ja da kommen sie halt nochmal wieder! Nein, nochmal diese lange Anfahrt quer über die Insel? Nein, ich will das hier und jetzt klären. Ich bekam einen Ausdruck mit den Delikten. Wäre man nicht selbst betroffen - man hätte lachen können. Ich hatte Anzeigen bekommen weil ich mit MEINEM TAXI außerhalb der Route gefahren war, einmal Taxi gefahren ohne vorschriftsmäßiges Kennzeichen. Dann ein Delikt mit einem PKW (ich hatte einen MINIBUS, somit auch ein Kennzeichen welches mit L beginnt und nicht mit A). Und weitere Vergehen in allen möglichen Teilen der Insel wo ich nie war. Die Sekretärin meinte dann fröhlich: Gehen sie zur Kasse, zahlen das und wenn ich die Quittung hab wird alles gelöscht!
Da war ich dann wieder in Hochform. Wer noch die Werbung von HB kennt, der weiß wo ich mich befand. An der Decke! Wozu soll ich das alles zahlen? Das habe ich doch gar nicht verbrochen! Die Sekretärin ganz naiv: na ist doch einfacher das zu zahlen als den ganzen Ärger.... Oh ja, aber nicht mit mir. Ich liebe Ärger. Vor allem aber will ich Gerechtigkeit. Also ging es zum dortigen Staatsanwalt. Der war dann wenigstens so nett mich noch in die Liste der Schuldigen aufzunehmen die an diesem Tag vor das Verkehrsgericht treten mußten.
So saß ich dann mit 30 anderen Angeklagten vor dem Richter. Fall für Fall ging man die Dinge durch. Es war sehr interessant, vor allem auch die Ausflüchte der Angeklagten. Allerdings beunruhigend: 30 Fälle und 30 mal Verurteilungen! Der Richter zeigte sich sehr uneinsichtig. Dann wurde mein Name aufgerufen und ich durfte vortreten. Im Grunde gab es nicht viel zu sagen. Ich habe kein Taxi, ich habe keine Taxilizenz, also kann ich das auch nicht gewesen sein. Vor allem wer in Sosua lebt und arbeitet dürfte kaum Taxifahrer in Santo Domingo sein. Auch die anderen Delikte ereigneten sich in Orten die ich kenne, wo ich aber die letzten Jahre nicht war. Das Wunder geschah. Freispruch in allen Punkten. Ich konnte endlich meinen Führerschein verlängern lassen.
Wie kommt es zu solchen Einträgen von Delikten die man nicht begangen hat? Ich habe keine Erklärung dafür – nur Vermutungen. Die eine ist: der Bearbeiter gibt eine falsche Nummer ein und schon rutschen Dinge in deinen Ordner die Du gar nicht begangen hast. Vermutung 2 erscheint mir realistischer. Ein guter Bekannter, ebenfalls mit Beziehungen (neben Geld die Grundvoraussetzungen für ein Leben hier in der Dominikanischen Republik), er war gerade wegen „falschem Abbiegen“ erwischt worden. In seinem Büro tätigte er dann einen Anruf bei der AMET. Du, ich hab Ticket Nr.... und mach mal das da weg. Ok – kein Problem. So einfach. Vielleicht können diese „Kontaktpersonen“ ja Tickets nicht löschen, also schiebt man die in einen anderen Ordner?
Wie man sieht, in diesem Land ist es relativ einfach in Trubel zu geraten ohne etwas verschuldet zu haben. Darum ist eine meiner Devisen: Gehe dem Ärger aus dem Wege, habe Deine Papiere immer in Ordnung. Sind Papiere abgelaufen (Residencia, Cedula, Führerschein oder Waffenschein, Revista oder Marbete), ich bin einer der Ersten die dann sofort eine Verlängerung in die Wege leiten. Dennoch, man kommt immer wieder unschuldig mit dem Gesetz in Konflikt!
(Teil 2 folgt)
Die Medaille AMET hat 2 Seiten
Gute Ausbildung?
Viele denken sich wenn sie "grüne Männchen" sehen: VOLLGAS!
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