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Dominikanische Republik: Erdbebenvorhersagen - Scharlatanerie oder Wissenschaft?

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ErdbebenDominikanische Republik: Erdbebenvorhersagen, Panikmache oder Wissenschaft?

Die Insel Hispaniola liegt in einer ungünstigen Lage. Geografisch liegt die Insel dort wo die karibische Erdplatte an die atlantische Platte stößt.

 

Somit sind kleine Erdbeben und vor allem Erdzittern alltägliche Gegebenheiten. Die meisten tellurischen Bewegungen sind jedoch nur als Messergebnis wahrnehmbar, ein „fühlbares“ Beben oder ein Erdstoß sind selten. Ende 2011 gab es dann eine ganze Reihe von Bewegungen zwischen den Erdplatten, doch pendelte sich dies wieder ein nach wenigen Wochen. Es gab die gewohnten Tätigkeiten vor allem im Süden und Südosten der Dominikanischen Republik, im Monakanal und in Puerto Rico.

Der Januar 2012 jedoch begann mit einem kräftigen Erdstoß. Das Epizentrum lag dazu noch an einer eher ungewohnten Stelle bei San Jose de Ocoa. Es folgten weitere mittlere Erdbeben. Als es dann gleich drei an einem Tag waren, davon 2 deutlich spürbare, war die Panik perfekt.

Es begann alles am12.1.2010 in Port-au-Prince. Ein Beben der Stärke 7.0 machte in wenigen Minuten aus der Hauptstadt Haitis ein Schlachtfeld. 80% der Gebäude wurden binnen Sekunden zerstört, auch umliegende Gemeinden waren betroffen. Mehr als 300.000 Tote, über 1,5 Millionen Obdachlose. Die Häuser und Gebäude fielen wie Kartenhäuser in sich zusammen, so auch die Kathedrale und der Regierungspalast von Haiti.

Schlagartig wurde den Bewohnern der Dominikanischen Republik bewusst: Ein Beben dieser Stärke, das hätte die gleichen katastrophalen Ausmaße wie in Haiti. Es ist allgemein bekannt dass vor allem bei öffentlichen Gebäuden, so Universitäten, Schulen, Gemeindegebäuden wie auch bei Krankenhäusern die Bausubstanz schlecht ist. Es wurde gespart und gepfuscht. Gerade bei den öffentlichen Konstruktionen verschwindet viel Geld in den Taschen von Funktionären und Bauunternehmern, dafür fehlt es an Qualität beim Bau.

Schon kamen die „Spezialisten“ einer Universität in den USA und warnten: schon bald sei ein Megabeben der Stärke7.0 und höher in der Dominikanischen Republik zu erwarten. Nicht genug damit, man weiß auch dass es im Cibao, nahe Santiago stattfinden wird. Regierungspräsident Fernandez wollte die Fachleute im April 2011 in die Dominikanische Republik einladen, ihre Berechnungen näher erklärt bekommen und vor allem: was kann man tun um ein Erdbeben dieser Art möglichst unbeschadet zu überstehen? Aus dem Treffen wurde nichts. Schnell war klar, dass diese Aussagen rein wissenschaftlich nicht zu belegen sind. Erdbeben

Bleibt die Frage: was tun zur Schadensbegrenzung? Man wollte Fachleute zusammenrufen und öffentliche Gebäude nachträglich verstärken. Man wollte... Es geht eben den karibischen Gang, angesichts mangelnder Finanzmittel macht man sich dann auch gar nicht erst Gedanken darüber wie und wo man etwas verstärken muss. Fachleute vom Bau sagen einen Kollaps von 80% der hohen Gebäude vorher, sollte das Beben in Santiago oder Santo Domingo stattfinden. Die Erklärung: nur selten haben Bauunternehmer nach dem Erdbeben-Code gebaut. Meist eben nicht, eine grobe Fahrlässigkeit in einem Erdbeben-aktiven Gebiet.

Die hohen Gebäude stehen fast alle auf Säulen, dünnen Stelzen. Das Erdgeschoss dient ja als Parkdeck. Kurze Stöße würden die Säulen knicken wie Streichhölzer, das Gebäude fällt in sich zusammen. Was kann man tun? Das Kind ist in den Brunnen gefallen, für die Zukunft kann man nur hoffen dass die entsprechenden Bauvorschriften für erdbebensicheres bauen beachtet werden.

Die Warnungen der Spezialisten gerieten in Vergessenheit, die Politiker hatten und haben auch andere Sorgen: Wahlkampf. Die Politik dreht sich nur noch um dieses Thema. Die Bevölkerung wird vollgelullt mit Versprechungen für die Zukunft, derweil in der Gegenwart nicht mehr viel passiert, außer dass die noch amtierenden Funktionäre beginnen Geld zu scheffeln, man weiß ja eben nicht ob man auch die kommenden 4 Jahre am Futtertrog sitzt.

Und dann, mitten im Endspurt der Wahlaktivitäten, bebt die Erde. Deutlich. Einige Gebäude wurden sichtbar beschädigt. Die Bevölkerung ist mit einem Schlag in die Realität zurück befördert worden! Damit nicht genug, aus den USA, vom Merlo Park in Kalifornien, melden sich wieder Spezialisten. Sie haben natürlich ihre Argumente für ihre Vorhersagen! Das gesamte „Enriquillo-Gebiet“ war seit 240 Jahren seismisch inaktiv. Doch am 12.1.2010 kam mit dem Beben in Haiti wieder Leben in die Region. Und wie schon 1770, also vor 240 Jahren, wird nun eine Periode von starken Beben Haiti und die Dominikanische Republik heimsuchen. Warum? Weil es 1701 auch so war. In Folge eines schweren Bebens folgten in den nächsten Jahrzehnten allein 4 Beben mit einer Stärke von mehr als 6.6 auf der Richterskala. Erst 1770 kam die Ruhe. Damit ist es nun zu Ende, so die Wissenschaftler.

Woher weiß man es so genau? Mal reden die Geologen von frequenten Beben alle 100 Jahre, dann große Beben alle 500 Jahre. Nun sind es 240? Was verursachen solche Vorhersagen?`Gekoppelt mit religiösen Fanatikern geschieht folgendes: eine große Gruppe Gläubiger pilgert bei Bani auf den Hügel „Loma del Chivo“. Im Traum war jemandem erschienen dass man hier sicher sei, das Ende der Welt aber nun kommt und die Menschen im Tal vernichten wird. Wäre es nicht so ein ernster Hintergrund, man könnte lachen ob solcher Naivität.

Ein beruhigender Fakt ist, dass es noch immer Wissenschaftler gibt die ganz klar eine Aussage treffen: Erdbeben kann man nicht vorhersagen! Weder Ort, Stärke noch Zeit. Das ist ein Fakt, alles andere sind nur Vermutungen, ohne jede wissenschaftlich begründet werden zu können! Ob und wann also eine Katastrophe kommt, das weiß niemand, außer vielleicht Gott, an den ja hier im Land viele glauben. Aber auch er wird niemandem im Traum sein Geheimnis verraten.

ErdbebenkarteWas also ist die Realität? R.Osiris deLeon ist ein anerkannter Geologe und Baufachmann in der Dominikanischen Republik. Er bringt die Probleme auf einen Nenner: Fehlendes Eisen in Konstruktionen, schlechter Zement, salzhaltiger Bausand und schlechte Statik, all das wird in der Dominikanischen Republik die gleichen Folgen haben wie damals in Haiti als mehr als 5.000 Schulen und über 300.000 Gebäude einfach kollabierten. Auch er ist nicht frei von religiösen Einflüssen und zitiert aus dem Matthäus-Evangelium, 7:24-27 – der kluge Mensch baut auf Felsen der unverständige auf Sand. Angesichts der bibelfesten Dominikaner fragt man sich da nur: warum beachtet man nicht solche Hinweise aus der Bibel?

Die Vergangenheit hat auf der Insel Hispaniola bereits Spuren hinterlassen. Große Beben vernichteten weite Teile von Santiago und La Vega. Gelernt hat man aber bis heute nicht wenn man die Bautechnik betrachtet.

Erschwerend zu einer Naturkatastrophe kommt in der Dominikanischen Republik noch die Regierung hinzu. In der Vergangenheit hat deren Unverantwortlichkeit und mangelnde Information an die Bevölkerung hunderte Menschenleben gekostet. Es war der 28.10.2007 als Tropensturm Noel über den Südwesten und das Zentrum des Landes herzog und massive Regenfälle bescherte. Von Bonao bis Cotui, Barahona bis San Jose de Ocoa vernichteten Wassermassen Straßen, Brücken und über 100 Todesopfer. Es folgte Tropensturm Olga am 11.Dezember 2007. Grob fahrlässig hatte man den Stausee Tavera bis zum Maximum gefüllt, keine Sicherheitsreserven gelassen und vorzeitig Wasser kontrolliert abgelassen. Dann kamen die Regenmassen, der Staudamm wurde geöffnet. Tausende von Kubikmetern Wasser pro Sekunde ergossen sich unkontrolliert ins Tal. Das Flussufer stieg binnen Minuten um 5 Meter, die Menschen hatten keine Chance, verloren Hab und Gut, mehr als 300 ihr Leben.

Was dies mit Erdbeben zu tun hat: es zeigt die Fahrlässigkeit der Regierung. Wie auch jetzt: man kennt die Schwachstellen, tut aber nichts. Bei einem Beben werden die Gebäude einstürzen, es wird keine Hoffnung geben für die Menschen. Hoffen kann man dann auf internationale Hilfen. Die Regierung lässt einen mit Sicherheit im Stich. Natürlich gibt es Stimmen die einem Sicherheit vorgaukeln. Erfahrene Ingenieure bekräftigen dass Gebäude in Santiago gebaut wurden die ein Erdbeben der Stärke 8.0 überstehen können.

Was sind solche Vorhersagen wert? Ein Vergleich: Das Viadukt von Hanshin in Kobe, Japan. Es wurde erbaut und sollte Erdbeben bis zu einer Stärke von 8.2 widerstehen. 1995 gab es ein Beben der Stärke 7.3 – 10x weniger – und die Konstruktion stürzte ein. Japan ist mit Sicherheit ein technisch deutlich weiter entwickeltes Land als die Dominikanische Republik. Was also war geschehen? Zum Einen war auch hier der Untergrund lose und tonig. Keine Stabilität. Dann aber gibt es noch einen Unterschied: sind beim Erdbeben die Stöße vertikal oder horizontal? Horizontale Verschiebungen sind schwächer als kurze Stöße in vertikaler Richtung, So brechen Säulen deutlich schneller. Gebaeudeschaden

Fazit: Weder religiöse Erscheinungen, noch Versprechen von den „Ingenieros“ werden uns helfen. Panikmache von Wissenschaftlern allerdings ist auch nicht hilfreich. Wir wissen nur eines mit Bestimmtheit: Auch heute kann man Erdbeben nicht vorhersehen. Sie kommen, das ist sicher. Wann, wo und wie stark, das ist nicht bekannt. Jeder für sich kann allerdings in Zukunft so bauen dass sein Haus stabiler ist. Wer ein Appartement im Wohnturm bevorzugt – nun gut, ihn könnte das Schicksal ereilen.


 

Kommentare  

 
# PlombiHermann 2012-01-31 23:26
Hallo Leute
habe einen sehr interessanten Bericht gelesen.
von William Bakun vom U.S. Geological Survey im kalifornischen Menlo Park und seine Kollegen.
Verwerfung unter dem Inselstaat ist wieder seismisch aktiv
hier der Link in deutsch
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-14377-2012-01-27.html
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
 
 
# RE: Dominikanische Republik: Erdbebenvorhers agen - Scharlatanerie oder Wissenschaft?Achim Finkelde 2012-02-03 03:15
Hallo Hermann,
das ist genau einer dieser Berichte die hier Panik machen. Ohne jedwede Grundlage. Wie kommt der Herr Wissenschaftler drauf dass nun alle 240 Jahre Bebenaktivitäte n kommen?
Woher weiss er was 1460 war? Oder im Jahre1220?
Hatten Tainos schon Aufzeichnungen? NEIN!

Es sind Zahlenbeispiele , an den Haaren herbeigezogen!
Fakt ist: MAN KANN KEIN ERDBEBEN VORHERSEHEN / VORHERSAGEN!
Wieso gab man denn in Japan keine Warnungen? Oder in Haiti im Januar 2010?

Alles Pseudo-Wissenschaftler die sich wichtig machen wollen, Kommt der Name mal in die Presse!

Nein - das sage ich nicht allein, Das sagen die Wissenschaftler die Verantwortung haben!

Denn Panikmache hilft keinem!
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