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Reportagen

Dominikanische Republik: Lebensfreude oder Depression

SuizidDie Dominikanische Republik ist oft als Land der Gegensätze beschrieben worden.

Tatsächlich, der höchste und niedrigste Punkt der Karibik befinden sich in der Dominikanischen Republik. Zum einen der Berg Pico Duarte mit einer Höhe von 3.098 Metern, nicht weit entfernt der Salzsee Lago Enriquillo dessen Grund 45 Meter unter dem Meeresspiegel liegt.

Auch sonst bietet die Insel Extreme: von Wüstenlandschaft mit Kakteenbewuchs bis hin zum tropischen Regenwald. Man kann die Gegensätze im Land auch hören.

 

Unendliche Ruhe mit Vogelgezwitscher bis hin zu laut dröhnenden Musikboxen die so stark vibrieren und verzerren dass man damit rechnet dass jeden Moment der Basslautsprecher aus dem Gehäuse springt. Musik ist laut – oder aus.

Über all dies wurde nun schon viel geschrieben, doch kommt ein neues Extrem auf die Bevölkerung der Dominikanischen Republik zu. Im Jahr 2010 gab es eine weltweite Umfrage. Wo leben die glücklichsten Bürger? Platz 1 ging an Costa Rica, die Kreolen folgten als Vizemeister.

Als Tourist kann das sicher jeder bestätigen. Das fröhliche Volk, immer ein Lächeln im Gesicht, tanzend und singend. Mehr und mehr gibt es das aber nur noch im All-Inklusive Hotel oder Ressort. Hier existiert augenscheinlich eine heile Welt. Im Februar verfällt dann noch einmal das ganze Land in Ekstase. Knall-bunte Kostüme, Tanz und Umzüge. Es ist Karneval.

Nicht umsonst betont man gerade dann: es ist die Zeit wo man vergisst. Wo man feiert. Wo soziale wie Rassenunterschiede nicht existieren. Karneval ist für alle, alle feiern gemeinsam.Karneval

Doch schon im März ändert sich das Bild schlagartig.

Vor allem Frauen sind die Leidtragenden. März, das ist der Monat mit den meisten Abtreibungen im Jahr. Wer nun sagt: die sind doch aber verboten?! - der hat keine Ahnung vom Land. Gesetze und Verbote sind doch dazu da um sie zu umgehen. Natürlich gibt es keine offiziellen Zahlen, aber die Abtreibungen kommen in anderer Form dann doch ans Tageslicht. Stümper und Scharlatane vollziehen die Abtreibung, manchmal auch die verzweifelten Frauen selbst. Denn das lustige und schöne Karnevalsabenteuer soll auf keinen Fall ein lebenslanges Ereignis in Form eines Kindes hervorbringen.

Wenn dann die Abtreibung Verletzungen und weitere Folgen nach sich zieht, was nicht selten ist, dann geht das Mädchen / die Frau ins Hospital publico oder in eine Klinik. Der Karneval und seine Folgen sind allerdings jährlich wiederkehrende Ereignisse. Was hat sich grundlegend im Land geändert?

Lebensfreude im Jahr 2010, trotz der vorangegangenen Jahre der Weltwirtschaftskrise. Krise in der Welt bedeutet ja nicht gleichzeitig auch in der Dominikanischen Republik.

Regierungspräsident Dr. Leonel Fernandez de Reyna war ja anfangs gar der Meinung dieses Land bleibe gänzlich von der Krise verschont. Er hatte Unrecht. Doch auch da liegt nicht das Problem. Nicht die Welt schafft Probleme. Man schafft sie sich selbst. Die Krise ist selbstgemacht, der Wahlspruch „pa´lante que vamos“ erinnert immer mehr an den Spruch „Gestern standen wir vor einem tiefen Abgrund – heute sind wir einen großen Schritt weiter“.

Ganz offensichtlich. Mehr und mehr Menschen in der Dominikanischen Republik verfallen in Depressionen.

  • Das Jahr 2011 brachte einen neuen Rekord im Tatbestand „erweiterter Suizid“.suizid
  • Noch nie waren so viele Frauen von ihren (Ex)Partnern ermordet worden. 
  • Sehr viele Mörder entzogen sich dann auch der Justiz durch das Fällen eines eigenen Urteils: Selbstmord. 

Damit sind wir beim aktuellen Thema 2012.

Allgemein bekannt, dieses Jahr geht die Welt unter. Die Maya haben neben Nostradamus und anderen „Weltpropheten“ so ihre Thesen – beziehungsweise wir Menschen unsere Interpretationen. Dominikaner interessieren sich aber nicht für Weltuntergangtheorien. Die Welt für sie besteht ja eh meist nur aus „Dominikanische Republik“ und „Nueva Yol“ wie Dominikaner New York nennen.

Ihre begrenzte kleine Welt füllt sich mit immer mehr Sorge. Es sind nicht mehr Liebeskummer oder andere „Herz-Schmerz“ Probleme. Das einfache Leben gerät aus den Fugen. Die schöne heile Welt mit Musik und Tanz – sie ist gewichen der Sorge um die eigene Existenz.

Wer den Verlauf der Wirtschaft in den letzten Jahren verfolgt hat, der hat es gesehen: Wirtschaftswachstum ja, aber keine wirtschaftlichen Verbesserungen beim Volk! Politiker und Unternehmer werden immer „fetter“. Sie füllen sich die Taschen. Angestellte und Arbeiter erleben den Wirtschaftswachstum in Form von Lohnerhöhungen die schon nach 2 Monaten nicht ausreichend sind um die rasant steigenden Preise zu bezahlen. Der familiäre Warenkorb für eine 4-köpfige Familie liegt bei über 25.000 RD$.

30% der Bevölkerung verdient nicht einmal 10.000 RD$. Es muss also nicht nur einer in der Familie verdienen, alle. Kinder eingeschlossen.

Trotzdem, die Preise steigen und steigen. Im Jahr 2011 sah man die Folgen schon zu Weihnachten. Hier wird üblicherweise der von uns im Frühjahr gemachte Hausputz gemacht. Das 13te Gehalt verwendet man für Farbe und Pinsel, man streicht mal wieder. Natürlich kauft man auch Geschenke. 2011 war es anders. Mehr als 50% der Weihnachtsgeldempfänger verwendeten das Geld um Schulden abzulösen. Händler beklagten sich, das große Geschäft blieb aus. Einzig Schmuck lief gut. Auch das hat eine einfache und dominikanische Erklärung. „Compraventa“ heißt sie, An- und Verkauf, Pfandleihe. Dominikaner schmücken sich gern mit Ringen und Ketten, zeigen so den Wohlstand. Lieber Schmuck als Bankkonto. Wird es eng, dann kann man Schmuck besser verkaufen oder beleihen als TV, Herd oder Kleidung.

Offensichtlich haben aber noch immer sehr viele Bürger Schulden. Denn seit Januar trat ein neues Phänomen auf: der Suizid.lebensqualitaet

Selbstmord gab es schon immer im Land, das ist nicht neu. Aber er war relativ selten. Seit Januar stehen fast täglich Selbstmorde in den Schlagzeilen. Manchmal auch gleich 3 oder 4 oder mehr. Ein trauriger Trend der sich hier abzeichnet. Da mittlerweile das Gift „Tres pasitos“ verboten wurde – kaum erhältlich ist, wechseln die „Selbstmordwerkzeuge“. Eine 65jährige Frau ging ins Meer und ertränkte sich, andere wählen die Klassiker wie Strick, Brücken oder hohe Gebäude um sich das Leben zu nehmen.

In einem Fall war die Auswegslosigkeit so groß dass man auch die beiden Kinder mitnahm – und zuerst aufknüpfte. Oft liest man dann: Gründe nicht bekannt.

Auch das hat einen typisch dominikanischen Hintergrund: man macht ja nichts falsch, es ist immer alles in Ordnung. Hinweise auf eine katastrophale Entwicklung im Land vermeidet man. Kritik an der Politik sollte man tunlichst vermeiden, in letzter Zeit zeigte die Regierung bei solchen Dingen eine sehr dünne Haut.

Pressefreiheit ist 2012 auch immer weniger gegeben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit wann man auch über Suizide nicht mehr berichten soll – oder darf. Die Dominikanische Republik, das Land der Gegensätze! Im Hotel das Lachen, außerhalb das Tal der Tränen. Immer mehr Bewohner im Land sehen keinen Ausweg mehr und wählen den Freitod. Aber aqls Waqhlpropaganda nun etwas schlecht geeignet.


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