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Reportagen

Nicht gefunden auf dem Friedhof in Haiti

Nicht gefunden auf dem Friedhof in HaitiPublireportage: In vielen Ländern ist es Brauch, immer wieder der Toten auf den Friedhöfen zu Gedenken.

Oft wird den Toten mehr gedacht, als den noch unter uns weilenden Mitbürger. In Haiti gedenkt man oft den Toten und ihren Seelen, welche uns im irdischen Dasein verlassen haben.

Gräber in Haiti haben meist Kreuze. Mit etwas Glück oder einer besseren finanziellen Situation der Angehörigen zieren manchmal aber auch Grabsteine die letzte Ruhestätte.

Für viele, viele Tausende wurde dies letztes Jahr nicht mehr möglich.

Wo sind sie geblieben, durchfuhr es mich in Gedanken, als ich durch die Strassen schritt und bewusst dieses Mal auf einen der vorhandenen Friedhöfe zusteuerte. Immer wieder erhaschte ich einen Blick auf ein Gebäude, dass mir von früher her noch bekannt erschien. Viele davon lagen noch in Trümmern oder waren nun gar schon neuen Baten gewichen.

Nicht gefunden auf dem Friedhof in Haiti

Aber die Menschen, welche zu diesen Gebäuden gehörten fand ich nicht.

Vor meinem inneren Auge erinnerte ich mich an die vielen Gesichter, welche vor dem letzten Jahr noch in dieser Strasse anzutreffen war, eine Strasse, welche durch das Erdbeben im Januar 2010 zum Trümmerfeld wurde.

Zu dieser Zeit befand ich mich in Marseille, Frankreich, um mich weiterbilden zu können. Nun über ein Jahr später, besuchte ich erneut meine Heimat und vieles schien mir bekannt, vieles aber einfach auch nur verdrängt und sehr vieles schien mir nicht korrekt. Den ich fand die Gräber nicht für die vielen Tausend Menschen welche damals einfach verschwanden.

Es geht mir dabei weniger um die Toten. Sicherlich ein entwürdigendes Bild, wie Schaufellader ganze Berge von Leichen einfach hinter der Stadt in schnell geöffnete Gruben schoben um diese dann mit Trümmern zu bedecken. Vielleicht gar den Trümmern die ihrem Leben kurz zuvor ein Ende bereiteten. Doch es musste auch schnell gehen, es ist warm und feucht in Haiti und da sind Leichen eine sehr hohe Gefahr für Krankheiten und Seuchen. So entwürdigend dies vielleicht einige fanden, so sehr es auch viele schmerzte, es war verständlich auf eine Weise.

Aber Monate danach, suchen noch viele Menschen nach einem letzten Punkt, nach irgend etwas bildlich wahrnehmbaren, wo sie vielleicht noch Gelegenheit hätten sich in würdigerer Umgebung zu verabschieden, zu trauern und da zu sein. Sie werden aber keine solche Stätte finden - man hat es vergessen.

Meinerseits habe ich all diese Menschen nicht vergessen und bedaure es, dass man Ihnen nicht einmal ein kleines Holzkreuz widmete, vielleicht auch gar nur ein einziger grosser Stein für all die Opfer welche unter den Trümmern begraben wurden. Es hätte den Toten nicht geholfen, aber den Lebenden welche nach Monaten noch Mühe haben die Bilder zu bewältigen, welche am 12. Januar 2010 und danach auf sie herein prasselten. Es fehlt der Ort wo man von dem allem mit Würde Abschied nehmen könnte.

Zurück in Europa, fuhr ich an einem riesigen Soldatenfriedhof im Elsass vorbei und es gab mir erneut einen Stich.

Autor: Theres


Kommentare   

 
# kulturelle DifferenzenIrish Pat 2013-09-02 16:53
Ja, andere Länder, andere Sitten. In manchen Kulturen ist der Mensch eben nicht so viel wert. In manchen anderen Kulturen wird der tote Angehörige gegessen statt vergraben.
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