Für den Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) steht fest: 2026 könnte den endgültigen Durchbruch für die Elektromobilität markieren. Zwar haben heimische Hersteller wie BMW mit dem iX3 oder Mercedes-Benz mit dem CLA inzwischen durchaus wettbewerbsfähige Elektroautos im Angebot. Sie punkten mit beachtlicher Reichweite und vor allem mit schnellen Ladezeiten, die sie einer modernen 800-Volt-Bordspannung verdanken. Man feiert diese Fortschritte in München und Stuttgart, doch der realistische Blick auf den Markt offenbart eine andere Dynamik. Andere Autobauer sind längst weiter.
Hyundais technologischer Vorsprung Aktuell ist bemerkenswerterweise weder Tesla noch der chinesische Branchenriese BYD die erfolgreichste ausländische E-Auto-Marke in Deutschland. Diese Rolle hat Hyundai eingenommen. Der südkoreanische Konzern, zu dem auch die Marken Kia und Genesis gehören, hat sich schlichtweg einen gewaltigen zeitlichen Vorsprung erarbeitet. Modelle mit genau jener 800-Volt-Schnellladetechnik, die von deutschen Autobauern nun als Innovation präsentiert wird, brachten die Koreaner bereits vor fünf Jahren auf die Straßen. Wie gut dieses Konzept beim Kunden ankommt, demonstriert derzeit eindrucksvoll der neue Ioniq 6.
BYD massiv unter Druck Ein völlig anderes Bild zeichnet sich zeitgleich beim chinesischen Konkurrenten BYD ab. Der Hersteller hat in seinem Heimatmarkt derzeit mit massiven Problemen zu kämpfen. Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge verzeichnete BYD im März den siebten monatlichen Absatzrückgang in Folge. Die Verkäufe brachen im Vergleich zum Vorjahr um 20,5 Prozent auf 300.222 Fahrzeuge ein. Im gesamten ersten Quartal betrug das Minus sogar knapp 30 Prozent. Hauptgrund dafür ist der immer härter werdende Preiskampf im größten Automarkt der Welt. Wachsende Konkurrenz durch aufstrebende heimische Rivalen wie Geely oder Leapmotor setzt den Marktführer spürbar unter Druck.
Zweifel an der neuen Strategie Um diesem Abwärtstrend entgegenzuwirken, hat BYD kürzlich das erste große Batterie-Upgrade seit sechs Jahren auf den Markt gebracht. Doch die neue Produktpalette bewegt sich preislich oberhalb der Marke von 150.000 Yuan (rund 21.700 US-Dollar) – eine heikle Schwelle auf dem extrem umkämpften chinesischen Markt. Branchenbeobachter bezweifeln ernsthaft, dass sich die Verkaufszahlen damit kurzfristig ankurbeln lassen. Die Käuferschaft greift derzeit schlichtweg lieber zu deutlich günstigeren Modellen. Die Konsequenzen dieser Entwicklung schlagen sich bereits in den Büchern nieder: Die Fahrzeugmargen des Herstellers sanken im vergangenen Jahr, wodurch auch der Jahresgewinn erstmals seit vier Jahren rückläufig war und die Erwartungen verfehlte.
Das rettende Auslandsgeschäft Der einzige wirkliche Lichtblick für BYD bleibt momentan der Export. Im ersten Quartal machten die Verkäufe im Ausland mit 320.673 Fahrzeugen beachtliche 45,8 Prozent des Gesamtabsatzes aus. Trotz der tiefgreifenden heimischen Krise gibt sich das Unternehmen äußerst zuversichtlich. Das ehrgeizige Ziel für 2026, insgesamt 1,5 Millionen Fahrzeuge außerhalb Chinas zu verkaufen, bleibt bestehen. Ob dieses internationale Wachstum jedoch ausreicht, um global gegen die immer stärkere Konkurrenz aus Südkorea zu bestehen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen müssen.